Welpenschule oder Welpenspielgruppen – sinnvoll oder sinnlos

Wenn eine Familie sich ihren Welpen geholt haben möchten sie alles richtig machen. Einige haben Bücher gelesen und schon sehr viel im Vorfeld angeschafft, ohne zu wissen was sinnvoll oder überflüssig ist.

Nachdem einige Themen wie  – Halsband oder Geschirr, Impfen oder nicht impfen, Fütterungsmöglichkeiten uvm. beschlossen wurden, stellt sich vielen die Frage, Welpenschule – „JA oder NEIN“

Bevor der Welpe abgeholt wurde, konnte er sich in seinem vertrauten Umfeld ohne Angst bewegen. Die Mutterhündin lässt ihre heranwachsenden Welpen ab der 6. Woche immer häufiger selbstständig gewähren und greift nur ein, wenn sie Gefahr für ihre Welpen vermutet.

Geschwisterwelpen spielen oft sehr grob miteinander.
Nicht selten schreit ein Welpe, weil er von einem Geschwister sehr hart geschnappt und geschüttelt wurde. Wirklich verletzen können sich die Welpen allerdings gegenseitig nicht, da sie körperlich und geistig auf dem selben Niveau sind. Es sieht oft schlimmer aus als es ist, das weiß die Hündin und greift selten ein.

 

Kommt ein fremder Hund schirmt die Hündin ihre Welpen sofort ab und das geschieht nicht selten sehr aggressiv. Erst nachdem die Hündin die Situation als ungefährlich für ihren Nachwuchs einschätzt, gibt sie den Weg frei.

Gehen die Welpen selbst zu dem fremden Hund, bleibt die Hündin locker und beobachtet. Sollte ein Welpe ängstlich oder unsicher werden, stellt sie sich sofort dazwischen und zeigt dem Eindringling deutlich die Zähne. Die Mutterhündin überlässt niemals den Welpen eine Situation, in dem er überfordert wäre oder verhält sich nach dem Motto “ die machen das unter sich aus“.

Aus diesem geschützten Umfeld kommen die Welpen zu ihrer neuen Familie und müssen erlernen, welchen Status sie haben und erfahren auch welchen Schutz sie bekommen.

 

Leider ist der Schutz, den die Welpen bei ihren Menschen erfahren, häufig eher dürftig.

Der Welpe erfährt, dass jeder Fremdling ihn anfassen darf, egal ob er es mag oder nicht. Gerade bei kleinen Hunderassen ist das ein großes Problem, weil sie von ihren Besitzern sogar auf dem Arm fest gehalten werden, damit jeder sie anfassen darf -für den kleinen Welpen eine sehr bedrohliche und beängstigende Situation . Er fühlt sich ungeschützt und ausgeliefert – nicht so gut um eine stabile Vertrauensbasis aufzubauen.

Ein Welpe sollte nicht als Streicheltier für jedermann sein, seine Menschen sollten, wie die Mutterhündin dafür sorgen, dass er selbst kommen und auch weggehen darf.

Besonders traumatisch ist für viele Welpen die „Welpenschule“

Warum entstanden Welpenschulen?
Es gibt Welpen, die in Zwingern gezüchtet werden, kaum Kontakt zu Menschen haben und noch weniger zu anderen Artgenossen. Diesen sozial veramten Welpen wollte man die Möglichkeit geben unter geschulten Augen der Hundetrainer eine Sozialisierung zu erwerben.
Ein Gedanke, der besonders für Zwingerzucht und Vermehrerwelpen gut angedacht war.

Problematisch ist, dass gerade bei den so sensiblen Welpen oftmals Vereinsmitglieder „abgestellt“ werden, die zwar schon lange Hunde haben, aber von Welpen nicht die geringste Ahnung besitzen.
Da werden Welpen verschiedener Hunderassen vom Chihuahua bis Bernhardiner zusammen gewürfelt , die auch noch eine breite spanne im Welpenalter haben.

Wer einmal beobachtet wie hemmungslos und teilweise brutal Welpen miteinander toben, rangeln, sie in den Nacken beißen und schütteln kann sich vorstellen was der Bernhardinerwelpe in dem Fall bei einem Chihuahuawelpen anrichten kann.

Selbst wenn eine Hundeschule, darauf achtet, dass nur Kleinhunderassen zusammen gestellt werden, müsste bald bemerkt werden, dass schon 3 Wochen Altersunterschied genügen, um die jüngeren Welpen der Welpengruppe zu unterdrücken.

Wie auch beim Menschen, gibt es bei unseren Vierbeinern sehr unterschiedliche Typen. Manche stecken grobe Auseinandersetzungen irgendwie weg, während ein schüchterner und ängstlicher Hund nach so einem Negativerlebnis alles andere als „gut sozialisiert“ sein wird.

Diese Hunde haben später oft regelrechte Aversionen gegen andere Hunde oder so große Angst, dass ein Zusammen führen sehr mühsam wird. Weiterhin hat der Welpe erfahren, dass sein Mensch ihn nicht schützt, das Vertrauensverhältnis wird in Frage gestellt.

Was wäre richtig?

Zuerst ist der Züchter wichtig. Welpen, die gut sozialisiert sind müssen erst einmal gar nicht in eine Welpenschule. Wird ein Welpe ab der 10. Woche abgegeben und lebt innerhalb des Rudels und innerhalb der Familie hat dieser sicher eine sehr gute Sozialisierung erhalten.

Wichtig wäre, dass diese Welpen regelmäßige Kontakte zu gut sozialisierten erwachsenen  Hunden haben. Der Kontakt zu anderen Welpen ist natürlich unter Aufsicht möglich, aber lernen können die Welpen nur von erwachsenen Hunden.

Ab ca. 6 Monaten, wenn der Welpe Junghund ist und eine solide Vertrauensbasis zu dem Menschen aufgebaut ist, können Sie sich immer noch überlegen, ob eine Hundeschule angestrebt wird.

Möchte der Mensch in die Welpenschule, um andere Hundefamilien und Welpen zu erleben, dann sollte er folgendes beherzigen.
SIE ALLEINE sind der Schutz für ihren Welpen. Sie vertreten die Hundemutter und geben dem Welpen Schutz, wenn dieser ihn benötigt.

  • Setzen sie sich in die Hocke, lassen den Welpen bei sich sitzen (zwischen den Beine oder unter den Beinen)
  • halten Sie vorerst Fremdhunde auf Abstand, es sei denn der Welpe selbst sucht den Kontakt,
  • gestatten Sie ihrem Welpen überall hin zu gehen, ein gut sozialisierter Welpe kennt die Sprache der Hunde und kann diese einschätzen,
  • ihr Welpe kann jeder Zeit zu Ihnen flüchten und Sie sorgen dafür, dass bei Ihnen eine sichere Zone ist,
  • sollte ein anderer Welpe ihren Hund sehr unterdrücken und vielleicht mobben ( ja das machen Hunde auch) dann sorgen Sie dafür, dass dieser Welpe ihrem Hund fern bleibt.
  • Lassen Sie sich bloß nicht von so hirnrissigen Sätzen wie:“ Lasst die Hund nur machen, die machen das unter sich aus!“ Eines der schlimmsten Dummsätze!
  • Den Welpen nicht hochnehmen, immer mit dem Welpen am Boden bleiben.
  • Wird der Welpe bei Ihnen frech und pöpelt die anderen an, stehen sie auf und hocken sich in einigem Abstand hin. Manche Welpen sind so dreist, ärgern die anderen Welpen und sausen schnell wieder unter den Besitzer/in, dass geht natürlich gar nicht. Bei so einem Verhalten aufstehen zurück gehen. Sollte der kleine Irrwisch nicht verstehen wollen, müssen Sie den Zwerg maßregeln. Mit den Fingern fest anstupsen und verbal (nein, pfui usw) verbieten.
    Auch wenn die Welpen so klein sind, die verstehen das sehr wohl.

Immer daran denken, SIE alleine sind die Sicherheit ihres Hundes. Je deutlicher der Welpe seinen Menschen als Sicherheit registriert, desto stabiler wird das Vertrauensverhältnis für das gemeinsame Zusammenleben Hund/Mensch.

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